Das Lächeln dieser Welt….

Ich stehe an der Kasse und bin gedanklich und vor mich hinlächelnd beim Abend, mit einem Glas Wein, einem guten Buch, vielleicht noch einem Film..

Vor mir und hinter mir Pärchen, keine Miene verziehend, sich anschweigend, in wenigen Wortfetzen kommunizierend. Die Kassiererin wirkt ausgelaugt. Blickt starr dahin, tut, was sie tun muss.

Möchte ihr etwas schenken, lächel sie strahlend an und wünsche ihr ein schönes Wochenende. Ihre erst noch aufkommende Verwunderung formt sich zu einem unglaublich entspannten Gesichtsausdruck. Wärme zieht in ihren trüben Blick, ihre Augen beginnen zu strahlen und viele wohltuende Fältchen bilden sich um Augen und Mund.

Sie erinnert mich an eine Dame, welche ich im letzten Spätsommer vor der Kamera hatte. Bereits im Vorabgespräch am Telefon wurde mir klar, dass es hier ganz besonders viel Feingefühl erfordert.

Portraitfotografie sehe ich persönlich nicht als reines Ablichten zum präsentieren. Es ist die Arbeit der Seele. Individuelle Fotos erfordern ein Teilnehmen am Charakter, am Leben, am Seelenzustand.

Wir saßen zwei Stunden in einer Nische am Strand und unterhielten uns über das Leben, ihr Leben. Ich wollte sie noch mehr spüren und ihre Seele berühren, wollte ihren Wunsch authentisch umsetzen. Sie sollte lächeln dürfen, was ihr so schwer fiel. Sie sollte sich sehen dürfen und stolz auf sich sein, was sie nicht annehmen konnte.

Eine innere Blockade jagte die nächste und ich fühlte mich tiefer und tiefer in sie. „Ich glaube, mir geht es jetzt gerade ganz gut“, und wir begannen bei dem schönsten Abendlicht Fotos. Schlagartig verkrampfte sie. Da war er wieder: Der Druck. Ich muss doch jetzt aber..

MUSS.

Ihr Gesicht verhärtete sich.

Ich bat sie, sich in das Wasser zu stellen, ihre Augen zu schließen und mir zu beschreiben, was sie um sich herum spürt. Spürt sie Kälte oder Wärme. Was nimmt sie alles wahr. Was tut ihr gut. Was ist gerade unangenehm.

Ich werde nie den Moment vergessen, und mir ziehen Tränen vor Freude in die Augen, wenn ich daran intensiver denke, wie ihr Gesicht schlagartig entspannte und ein Lächeln voller Erlsösung und Liebe über sich ausbreitete.

„Was tut an Deinem Körper gerade besonders gut?“, fragte ich sie.. „Das Wasser…..“, sagte nicht nur ihre Stimme.

Einen Menschen zu portraitieren bedeutet nicht nur auf den Auslöser zu drücken und etwas körperliches in eine Form zu pressen. Individualität und Besonderheit, und das hat jeder einzelne von euch, bedeutet eine Verbindung herstellen, zu fühlen und zu beGREIFEN.

Ich erhielt nach Übergabe der Bilder eine wundervolle Nachricht, in dieser sie mir erklärte, dass dieses Shooting für sie eine Therapie war. Dass sie sich in ihrem Körper und mit sich wieder wohlfühlt. Dass diese Stunden da am Wasser für sie so kostbar waren.

Sie kann wieder lächeln.

Und geht es nicht auch darum? Sich gegenseitig gut zu tun? Sich gegenseitig einmal ein Lächeln zu schenken? Von seiner Energie ein wenig abzugeben, wenn man sieht, dass es einem anderen nicht so geht?

Was ein Lächeln von außen mit uns macht und was unser Lächeln nach außen ausstrahlt….

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