Hamburg – alle guten Dinge sind drei..

Ich bin so aufgeregt, so voller Vorfreude, so motiviert, so hoffnungsvoll und so zielsicher und und und und und und….

Trotz Verspätung habe ich mein Gepäck in Windeseile fertig und sitze gedanklich bereits im Schlaf in meinem Schwarzen Peter, gen Berlin. Denn dort würde ich noch meine Begleiterin einsammeln und dann stünde uns nichts mehr im Weg.

Auch Claudia ist schlummerig unterwegs und sucht noch „die letzte fehlende Socke“, bevor wir starten können, während ich genüsslich an meinem Ingwertee nippe. Vorm inneren Auge tanzen schon Bilder und ich gebe die Route ein, damit wir auch nicht an ‚Uwe’s Hintern‘ vorbeifahren oder erst noch ewig suchen müssen.


Es regnet, die gesamte Fahrt über und ich merke es nichts. Quasselei, gute Musik und ein zufrieden schnurrender Peter machen es mir leicht, mich nicht ein einziges mal über das nicht änderbare Wetter zu ärgern.

Auch nach Ankunft nicht. Wir kurven noch zwei drei mal auf irgendwelchen Straßen herum, bevor wir einen direkten Weg zum Elbstrand finden. Die Dunkelheit und Nebel verschlingt bereits die Elbinsel in der Ferne. Ein Leuchtturm schneidet sich die Sicht frei und links und rechts buntes Gefunkel der zahlreichen Häfen.

Blick vom Falkensteiner Ufer aus

Ich bemerke nicht, dass ich meine Kamera verstellt habe und meckere nur vor mich hin, dass ich quasi über die Wochen, ohne ernsthafte Betätigung, vergessen habe, wie ich diese zu bedienen habe und gebe vorschnell auf. Bis ich kapiere, dass ich einfach nur am Kamera-Rad drehen muss, bevor ich selber am Rad drehe. Dennoch ist es mittlerweile so dunkel, dass man Uwe’s Hintern in den Fluten der Elbe eigentlich nur noch mässig sieht.

Wir beschließen bei Tageslicht wiederzukommen.


Im Stadtteil ‚Veddel‘ beziehen wir im sehr schicken und angenehmen Leonardo Hotel Quartier. Veddel ist Hafen pur. Die nahen Elbbrücken locken sofort mit ihren Antlitz und ich sehe mich schon im Dunkeln dort herumstolzieren. Doch es würde alles anders kommen…..

Im Supermarkt nebenan decken wir uns mit allerhand Schweinereien ein. Das Hotelbett sollte dann irgendwann später abends noch mit Filmen und Junkfood alles rund machen.

Ich finde es schön vor Weihnachten noch so einen Ausbruch zu wagen und muss über den Anblick unserer Minibar doch sehr schmunzeln..

Weihnachtliche ‚Wir brechen aus dem Chaos aus‘-Minibar

Die S-Bahnstation ist wahrlich einen Katzensprung vom Hotel entfernt und ich bewege ich mich auch beruhigt von diesem weg, weil Peter einfach den sichersten Platz überhaupt hat. Komme damit zumeist ja so gar nicht klar, wenn ich zu weit an einem fremden Ort von meinem Gefährten entfernt bin..

Ruckzuck sind wir an den Landungsbrücken und wagen eine Runde Krabbenbrötchenjagd und geben schon beinahe auf, als wir noch Licht im ‚Watergate‘ erblicken und den Hinweis auf alle möglichen Fischbrötchen.

Der Preis für ein Krabbenbrötchen ist mit 9,99€ nicht gerade wenig, aber ein Krabbenbrötchen und die stetigen Gelüste danach, führten mich schließlich hierher, also ist es mir egal.

Unsere Bedienung scheint in Flirtlaune, fasst zumindest jeden spaßig gemeinten Kommentar als dieses auf und draußen, seelig mein Brötchen mumpelnd, stelle ich nun fest, dass er mir 2€ erlassen hat – danke Nico (im Außerhaus :-p )

Obacht: die falschen und zu viele Zwiebeln versauen ein Krabbenbrötchen total!

Da sitzen wir nun, ein jeder mit seinem Brötchen, quasi in trauter Viersamkeit (wenn man die Krabben nicht einzeln zählt) und blicken auf den Hafen. Mir geht das Herz auf und ich freue mich so auf die morgige Erkundungstour und einen kleinen Verdauungsspaziergang, nach dem halben Tag im Auto.

Auf den Landungsbrücken

Es tröpfelt wieder ein wenig, aber irgendwie verleiht es dieser Stadt gerade einen unglaublichen reizenden Charme. Mir tut es so gut, in der Großstadt zu sein, nicht alleine herumzuschlendern und fühle mich echt richtig gut.


Kaum Menschen in den Straßen und es braucht auch etwas bevor wir eine, wie Claudia es gerne hätte, schäbige Hafenkneipe, fernab der Reeperbahn zu finden.

Wir biegen in die Dietmar-Koel-Straße ein und unser beider Blicke hängen mit einem mal am Schaufenster des ‚Elbufer‘ fest. Unzählige maritime Schätze säumen die Auslage und mein Blick trifft vom ersten Moment an auf einen Kompass. Er hält mich fest, aber morgen würde Sonntag sein, also nehme ich mir auch sofort vor, diesen wieder zu vergessen (na huuuuch, jetzt liegt er hier vor mir hihi)

Meiiiiiin Schaaaaaaaaatz

In der Reinmarusstraße leuchtet uns ein Astra-Schild entgegen. Beim Betreten schallen uns Fußball-hymnen entgegen und wir wollen eigentlich gerade wieder raus, da stimmt es die Pogues an – okay, wir bleiben, war wohl ein Ausrutscher 🙂

Die Zeit rennt ab da. Ich tue das, was ich lange schon nicht mehr tat: Ich rauche, ich trinke das ein oder andere Schnäpslein, genieße mein kaltes Bier und nippe ab und an am torfigen Whisky. Es steigt mir alles ziemlich schnell in den Kopf, aber es ist okay. Es ist eines dieser dringend-nötig-Wochenenden und ich rede mir auch kein schlechtes Gewissen ein.

Nach 23 Uhr treten oder leiern wir aus der Kneipe heraus, nachdem wir mit dem Besitzer noch einen kleinen Schnack gehalten hatten. Er würde nicht der letzte angenehme Charakter auf dieser kurzen Reise sein..


Zurück im Hotel müssen wir uns jetzt damit auseinandersetzen, wie wir ohne Löffel unsere 5-Minutenterrinen vernichten wollen und einigen uns ziemlich schnell auf eine gereinigte Visittenkarte (stilvoll ist anders, heute einfach nur Punkrock und Hunger hat man auch – gibt ja keine Hotelrezeption haaaaach).

Im Fernsehen läuft ‚Interview mit einem Vampir‘ und ich zucke zusammen „San Francisco!“. Mein Herz beginnt zu bluten, die Sehnsucht macht sich breit. Oh Perle der Pazifikküste, wie fehlst du mir! Am nun Rumglas nippend verfolge ich den Film wehleidig, rege mich dann und wann über Lestat auf, während Claudia schon einschläft. Ich weigere mich noch dagegen, will selbst im Hotelzimmer so viel wie möglich vom Ortswechsel mitbekommen, bevor sich mein Körper schlagartig dem Schlaf hingibt, ohne mir vorher nochmal bescheid zu geben…..


Der Morgen an den Elbbrücken, ohne Elbbrücken…

Ich bin, gewohnt, zeitig munter und blinzel erst eine Weile vor mich hin, bis ich mir ein wenig Beschäftigung aus meinem Rucksack organisiere. Das letzte Weihnachtsgeschenk braucht noch ein bisschen Verzierung und wieder zieht es mich mit dem Geschenk in einen Fernwehstrudel, da in der Ferne. Ich merke, wie mein Herz zusammenzieht und ich mich so leer fühle, mich aber damit tröste, dass ich deswegen ja hierher bin.

Darüber denke ich eine Weile nach, während ich auf das Fotoalbum blicke….

Kleine sehr große leichte gewichtige Erinnerung.

Claudia wacht später aus dem Schlaftaumel auf und meint auch nicht wesentlich später, dass sie am Abend noch Bericht schreiben muss.

Auf einmal fällt mein Kartenhaus in sich zusammen. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, aber mein Herz zieht sich noch einmal enger zusammen.

Oh Hamburg – werden wir denn nie warm miteinander? Bekommen wir denn nie eine Chance?

Ich sammel schon alles zusammen und versuche mich etwas zu motivieren. Uwe wartet immerhin und vielleicht zeigt das Tageslicht noch ein paar Dinge, die mich ein wenig aus der Affäre locken.


Uwe’s scharfer Po

Es ist Niedrigstand, als wir Mittag eintreffen. Wieder regnet es und diesmal nervt es mich sogar total. Der Wind friert augenblicklich meine Hände ein und ich kann es nicht vermeiden, dass ich innerlich mit permanentem „AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHH!“ herumrenne. Nichtsdestotrotz.. Claudia tut es gerade alles gut und wenn die Reise nicht mir dient, dann soll doch wenigstens sie mit ganz viel Sonne im Herzen nach Hause kommen.

Und der Zauber der Elbe und der Hansestadt, tut ein wenig die Herzkammern wieder weiten. Der Norden, er ist einfach besonders…..

Ein Minielbfluss an der Elbe. Schon wirkt sie wie die Nordsee…..
Uwe’s mardoder und ebenso auf Grund gelaufener Nachbar

„Na da gehen wir noch ein Brötchen essen und dann können wir ja wieder heim.“ – so ist es wohl. Ich will aber nicht, aber nun ist es so..

Ich zaubere mir schöne Gedanken mit Vorfreude aufs nächste Krabbenbrötchen. Mein Schwarzer Peter genießt die viele Aufmerksamkeit und blubbert so zufrieden wie lange nicht mehr. Sämtliche Festtagsbeleuchtung bleibt nach wie vor aus und der Motor klingt einfach verlockend wundervoll. Ich konzentriere mich total darauf und freue mich einfach. Ja, nun kommt ein gutes Gefühl hinzu und sage mir „Weißt, nächstes Jahr machen wir das wieder öfter – alleine! Fahren wann und wohin es uns beliebt; bis wir endlich satt sind!“


Feuerwehrschiff mit Leuchtturm an den Landungsbrücken

Oh wie genieße ich die Luft. Ein Stellplatz für Peter ist schnell gefunden und ermöglicht uns sogar noch einen kleinen Spaziergang, um zu den Landungsbrücken zu kommen, wo die ‚Fischpfanne‘ mit ihren berühmten Brötchen wartet. Dreimaster, Kontainerschiffe, Fähren – es herrscht ein reges Treiben auf der Elbe. Es ist so herrlich! Absolut hungrig erreichen wir den Ort der Begierde und für mich ist schnell klar, womit ich mich stopfen möchte. Ja, ich möchte mein Gemüt mit ganz leckeren Essen kitzeln, um nicht ganz so traurig nach Hause zu kommen.

Ich starte, traditionell mit einem Krabbenbrötchen und oh Hilfe…. Es ist so absolut lecker und einfach perfekt! (wenn auch, es nicht an die leckeren Brötchen vom Eidersperrwerk rankommt!)

Es ist quasi nun Mittagszeit und damit hatte ich mein Frühstück erledigt. Gefolgt von einem Schollenfilet und der Nachspeise, eine Ofenkartoffel mit Krabben.

Mittag
Dessert

Mir ist aber irgendwie, wie…. ne, das ist nicht alles. Irgendwie fehlt was und ich beschließe schnell, dass ich noch ein Krabbenbrötchen essen muss. Die Bedienung grinst mich an, ob das mein Ernst ist und dass es für eine Frau wirklich erstaunlich und gleichzeitig bedenklich und doch sehr beachtlich ist. Ich muss es einfach tun und werde mit dem letzten Bissen abermals traurig. Claudia beruhigt mich mit den Worten „..aber deswegen ist es ja so besonders, weil du es nicht jeden Tag isst!“

Persönliches 4. Adventslicht in der Ferne

Ich rolle. Auch wenn es vielleicht zu viel war, ich fühle mich bestens mit dem Gefühl des zu vielen Essens und würde es sofort wieder tun.

Es kreuzt kein Fischbrötchen mehr meinen Weg, aber Claudia möchte unbedingt nochmal an dem maritimen Geschäft vorbei. Und es hat sogar offen….

Ein sehr sympathischer Mann kommt in den Verkaufsbereich und strahlt uns an. Als er anfängt zu reden, hört man sofort den Muschelknacker heraus und ich fühle mich wohl. Wenn auch, er mich an wen erinnert und der Akzent so gar nicht passt, aber ich freue mich einfach, dass es ihn gibt und er sich ganz viel Zeit für uns nimmt und seine Späßchen Raum finden und er sich somit auch ganz wohl zu scheinen fühlt.

Wir gehen in den vorderen Laden, die Straße entlang, während Hund Sophie auf den hinteren Laden aufpasst.

Als wir diese kleine Schatzkammer betreten, steuer ich sofort zielstrebig zum Kompass. „Ja…..“ und nehme ihn an mich.

Der Verkäufer strahlt mich an „…wir haben auch noch viele andere Schätze. Aber du hast deinen persönlichen ja scheinbar sofort gefunden“.

Als er abschließt, werde ich erst wieder munter und blicke noch einmal durchs Fenster. Oh jaaaa, da wären noch verdammt viele wundervolle Schätze gewesen. Eine herrliche Schiffsglocke… und dennoch klammere ich mich glücklich an meinen Kompass.

„Ich halte über Weihnachten auch offen. Also falls ihr doch noch einen Schatz kaufen wollt…. Weil, ich als Menschenhasser, bin demzufolge alleine, will nicht eingerollt in Embyronalstellung daheim auf dem Teppich liegen. Also mache ich hier lieber auf. Manchmal verirrt sich auch eine Seele, die von Weihnachten genug hat.“, scherzt er, mehr oder weniger scherzhaft gemeint. Eine angenehme Seele und am liebsten wäre ich nun doch einfach länger geblieben.


Die Nordluft weht uns entgegen, als wolle sie uns sagen „Setzt die Seegel, es geht nach Hause!“

Ratzfatz sind wir wieder auf der Autobahn. Es regnet und regnet, ist aber recht frei und angenehm zu fahren. Zwischendurch merke ich ein klein wenig Unmut auch bei Peter.

Gegen 18 Uhr treffen wir in Berlin ein.

Ab hier geht es für meinen Peter und mich alleine weiter. Beim Anfahren meine ich zaghaft „..wenn es gar nicht geht, weißt, dann müssen wir eben wieder auf die linke Spur fahren, alle überholen und in die Ferne abhauen.“ und setze den Blinker zu abbiegen. Die Signalleuchte dafür ging lange nicht mehr. Aber in diesem Moment strahlt sie mir entgegen, wie ein Augenzwinkern vom Peter: „Ich bin bereit!“

Der Kompass ist so passend, zu meinem momentanen Leben, zu dem, was ich mir im nächsten Jahr vorgenommen habe und mein Herz und mein Bauchgefühl mir bereits darüber verraten wollen.


Was Hamburg betrifft…. Wie meinte mein nordischer, in diesem Jahr neu gewonnener Freund Lars:

„Nee, nee, nee!
Du hast die erste Krabbe probiert

und der nächste Bissen geht ins ganze Brötchen

😎

Die erste Prise Hamburg – und als nächstes gibt es die volle Ladung
Die erste Krabbe fiel auf den Boden
die zweite Krabbe machte Appetit
und der dritte Anlauf wird der erste Bissen ins Brötchen!“

Oder die Autovariante, auch von ihm, damit es beide meiner Ohren auch wirklich wahrnehmen:

„Sagen wir mal so: Der erste Besuch Hamburg war die Fehlzündung eines 66ers Mustangs
der zweite Besuch wars Starten
und beim dritten: Burnout und los!“

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